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Samstag, 6. August 2011

Motivationsbrief: Ziele sind Quatsch



Hochbegabungspresse




Liebe Schweinehundefreunde,

haben Sie das Finale der Frauen-WM geguckt? Als die Teams in Stadion einliefen, schmachteten die Favoritinnen aus den USA sehnsuchtsvoll den Pokal an. Gewonnen haben die Japanerinnen. Am Ende zu Recht. Den Pokal haben sie vorher übrigens ignoriert.

Ziele werden überbewertet

Oder kennen Sie folgendes Szenario? Die Geschäftsleitung macht einen Vertriebsplan mit hohen Zielen. Das Team soll Vollgas geben. Bald aber zeigt sich, dass es Probleme gibt, die Ziele auch zu erreichen. Also wieder mal Fehleranalyse: Was läuft schief? Und warum? Nun wird entgegengesteuert. Die Zahlen (Ziele) werden (wie üblich) korrigiert. Beim nächsten Mal klappt’s bestimmt (wieder nicht).

Ach und neulich wollte mal wieder ein Freund mit dem Rauchen aufhören, ein bestimmtes Gewicht erreichen, pünktlich die Diplomarbeit abgeben oder endlich mal den Keller aufräumen. Leider n ix draus geworden (wie schon öfter). Trotz guter Ziele ...

Also: Lassen Sie uns eine heilige Kuh der Motivationslehre schlachten! Und zwar die allgemein akzeptierte Annahme, dass Ziele eine Voraussetzung für Erfolg sind. Dass wir sie uns nur möglichst groß, konkret, schillernd, motivierend, messbar, realistisch und was weiß ich noch alles vorstellen müssten, um unsere Ziele zu erreichen: die Meisterschale, das große Haus, die gewünschte Umsatzzahl, den Porsche in der Garage oder die Traumfrau. Einfach klar definieren, plastisch visualisieren – und schon sollen wir uns kraft der Gesetze des Universums darauf zu bewegen. Sagt man zumindest.

Nun, ich bin der Meinung, das ist bestenfalls naiv. Und damit behaupte hiermit hochoffiziell das Gegenteil: Die Bedeutung von Zielen wird überschätzt. Ja, die lieben Ziele sind oft sogar ziemlicher Quatsch! Statt uns Erfolge zu bringen, könne n sie uns selbige nämlich genauso verbauen. Und zwar aus einer ganzen Reihe von Gründen.

Ziele wirken wie Alibis

Zunächst etwas Grundsätzliches: Es dürfte offensichtlich sein, dass es nicht das Ziel an sich ist, das erfolgreich macht, sondern die aktive und konstante Handlung in eine bestimmte Richtung – in der im Idealfall auch das angestrebte Ziel steht. (Falls Sie hier anderer Meinung sind, lesen Sie am besten gar nicht erst weiter.) Beispiel: Nicht die Definition eines Zielgewichts während einer Diät macht schlank, sondern die richtige Ernährung und Bewegung. Das Zielgewicht ist bestenfalls ein wünschenswerter Endzustand.

Und damit wären wir beim ersten kniffligen Punkt: Oft wirken Ziele nämlich nicht als Antriebshilfen sondern eher wie Alibis! Denn: Ist ein Ziel erst mal definiert, verfallen wir gerne dem Irrglauben, jenes nun auch irgendwie automatisch zu erreichen. Mental haben wir es ja schon erreicht. Wir sehen das Ziel vor unserem inneren Auge – wozu also noch extra handeln? Wie schief diese Logik ist und wie häufig sie vorkommt, erleben wir andauernd: David Haye wollte Boxweltmeister werden, so manche Firma längst Marktführer sein und ich bereits heute mein neues Buch geschrieben haben. Hätte auch alles geklappt – wenn nicht ein gewisser Herr Klitschko gewesen wäre, ein paar pfiffige Mitbewerber und eine Menge anderer Projekte ... Nix geworden aus den Zielen. Obwohl sie da waren.

Die Logik, wir bräuchten nur Ziele zu haben, um selbige auch zu erreichen, ist Selbstbetrug. Warum? Einerseits scheinen wirklich viele an die magische Wirksamkeit von Zielen zu glauben. Andererseits beruhigen Ziele unser Gewissen und das unserer Umgebung. Motto: „Hauptsache, wir haben das Ziel mal definiert!“ – und schon haben wir unsere Ruhe: Steht das Zielgewicht fest, hat die Partnerin nicht zu meckern, wenn wir naschen – wir wissen schließlich, wo wir dank Diät hinwollen. Ist die Abgabe der Diplomarbeit für den XX.XX.20XX versprochen, können wir friedlich eine DVD gucken, statt am Computer zu sitzen und zu arbeiten – ohne uns dafür rechtfertigen zu müssen. Ist die Budgetplanung mal abgeschlossen und hat das ganze Team (vermeintlich) zugestimmt, klingt das Committment glaubhaft. Mehr muss es auch gar nicht – schließlich ist eh jedem klar, dass Ziele oft verfehlt werden. Sie wirklich zu erreichen, hat niemand behauptet. Günter rules ...

Ziele sind kein Selbstzweck, sondern nur Orientierungshilfe

Schade, wenn schöne Ziele so zu leeren Alibis verkommen! Denn eigentlich haben sie das nicht verdient. Immerhin sollen sie uns auf den richtigen Weg führen. Meist nur machen wir dabei folgende zwei Fehler: Wir überschätzen, was wir in kurzer Zeit erreichen können. Und wir unterschätzen, was wir in einem längeren Zeitraum auf die Reihe kriegen – vorausgesetzt, wir handeln dauerhaft in eine Richtung. In zwei Jahren große Karriere machen? Schafft man wohl nur bei der FDP. Nimmt man sich dafür aber mehr Zeit, geht es auch im realen Leben. In acht Wochen den Traumkörper basteln? Blöder Anspruch, natürlich meist unrealistisch. In zwei Jahren aber machbar – egal, von wo man startet. Vorausgesetzt eben, man wurschtelt sich kontinuierlich in die richtige Richtung.

Um aber dauerhaft in eine Richtung zu handeln, brauchen wir die Richtung – nicht jedoch Ziele. Insofern sind Ziele streng genommen nicht notwendig, um Erfolge zu erzielen – es geht ohne. Gute Sportler müssen sich nicht mit Pokalen locken, um durch Training besser zu werden – und dann Pokale zu gewinnen. Gute Verkäufer bringen auch ohne hohe Vorgaben Abschlüsse zustande – vielleicht sogar bessere als die vorgegebenen. So erreicht jeder Ziele, ohne dass diese im Vordergrund stehen müssen. Der eine, weil er gerne Fußball, Basketball, Minigolf oder was auch immer spielt, der andere, weil er gerne verkauft. Die Ziele sind dabei höchstens „nice to have“. Sie sind eine Art Orientierungshilfe oder Feedback: „Du hast einen bestimmten Meilenstein geschafft bzw. (noch) nicht geschafft!“. Zwingend notwendig aber sind sie nicht.

Ziele können bremsen

Im Gegenteil: Ziele können sogar wie eine Bremse wirken. Wer in erster Linie nur handelt, um bestimmte Ziele oder Belohnungen zu erreichen und Niederlagen oder Strafen zu vermeiden, bekommt schneller Motivationsprobleme. Weil es nun nicht mehr um den Weg zum Ziel geht, der zum Ziel führt, sondern nur um Ergebnisse.

Das aber führt sogar dann zu Motivationsproblemen, wenn alles zur vollsten Zufriedenheit läuft. Sobald ein Ziel nämlich erreicht ist, verliert es seine Bedeutung: Wozu sollte sich der gute Verkäufer noch weiter anstrengen, wenn er seine Zahlen bereits geschafft hat? Unnötig. Oder wenn ein Sportler als Ziel den Klassenerhalt ausgibt, gibt nicht mehr alles, sobald dieser erreicht ist. Jede Extraanstrengung wird überflüssig. Der Antrieb ist weg.

Auch wenn Ziele nicht geschafft werden, können sie zum Motivationskiller werden. Wer etwa nur spielt, um Meister zu werden, gibt nicht mehr alles, sobald sich ein anderer als Meister abzeichnet. Warum auch? Das Ziel kann nicht mehr erreicht werden, also ist auch hier ist der direkte Antrieb weg – wozu noch konsequent in eine Richtung handeln? Oder wieso eine Diät weitermachen, wenn man zwischendurch eh ständig „sündigt“? Wieso Nichtraucher bleiben, wenn man auf einer Party mal in Suff eine Zigarette geraucht hat? „Jetzt ist sowieso schon alles zu spät!“, hei& szlig;t es dann oft. Denn: Das Nichterreichen der geplanten Zwischenziele kommt einer Niederlage gleich – wir können getrost einen Gang zurückschalten. Wie sollen wir auch das große Ganze schaffen, wenn wir bereits im Kleinen scheitern? Dann lieber das süße Schicksal des bequemen Verlierers wählen: So tun als ob. Und seine Ruhe haben. Danke, liebe Ziele!

Es geht um den Prozess, nicht ums Ziel

Sie merken, worauf ich hinaus will: Im Kern geht es nicht um Ziele, es geht um Prozesse. Nur in deren Verlauf erreichen wir ein bestimmtes Ziel. Oder eben nicht. Und um ein Ziel zu erreichen, sollten wir uns tunlichst auf den Prozess konzentrieren – und uns eben nicht ums Ziel kümmern. So wie die Japanerinnen im WM-Finale: Sie haben die drückende Überlegenheit der USA und deren wahrscheinliche Bedeutung für den Spielgewinn schlicht nicht zur Kenntnis genommen – und weiter tapfer um jeden Ball gekämpft. Und um jede einzelne Chance. Die Wahrnehmung war jeweils nur auf den Moment gerichtet: „Wie leiste ich jetzt gerade das Bestmögliche?“ Und am Ende stand der Sieg.

(Die Ladies aus Japan haben dabei übrigens die „Nah-Fern-Taktik“ angewendet. Kennen Sie die? Wenn ein Ziel noch weit entfernt ist (das Spielende, der Abgabetermin, der Jahresabschluss), tu so als stünde es unmittelbar bevor! So wirst du JETZT IM MOMENT Vollgas geben (um jeden Ball kämpfen, fleißig arbeiten, mit Leidenschaft verkaufen). Und wenn ein Ziel unmittelbar bevorsteht, tu so, als sei es noch weit weg! So behältst du die Spannung und Konzentration bis zuletzt aufrecht.)

Zum ersten Mal ist mir die fast paradoxe Wirkung von Zielen als Arzt über den Weg gelaufen. Wie wollen Sie etwa einen Infarktkandidaten davon überzeugen, sich gesund zu ernähren, nicht mehr zu rauchen oder Sport zu machen? Das Ziel „Damit du keinen Herzinfarkt kriegst!“ können Sie knicken. Seien wir ehrlich: Es ist viel einfacher, sich ein paar Betablocker reinzupfeifen und Nitrospray dabeizuhaben, als sein eigenes Verhalten zu verändern. Die verquere Logik: „Nimmst du die Pillen, bist du nicht krank. Also bist du gesund und musst nix verändern!“ Pervers ist das. Das Ziel „Keinen Herzinfarkt kriegen“ sabotiert den Prozess, obwohl es im Kern löblich und richtig ist.

Wobei gerade Vermeidungsziele natürlich ihre Tücken haben: „Nicht insolvent gehen“, „nicht die Scheidung riskieren“, zum „Nichtraucher“ werden. Echt blöde Ziele sind das! (Nun, Sie kennen das ja: Denken Sie bitte NICHT an einen blauen Elefanten ...) Doch auch hier hilft es uns weiter, wenn wir uns dem Prozess widmen: Wir sollten ständig mehr Geld einnehmen als wir ausgeben, täglich unsere Beziehung pflegen oder ein gesundes Leben voller Kraft und Luft und Freiheit führen. Und schon fühlt sich auch ein ursprüngliches Vermeidungsziel attraktiv und machbar an.

Sehen Sie, was ich meine? Wollen wir die „große Liebe“ (ein Ziel) finden, denken wir vom Ergebnis her – und geraten dadurch in eine Schwarzweiß-Falle: Entweder wir haben sie, oder wir haben sie nicht. Die Lösung aber liegt darin, unseren Partner zu „lieben“ – und zwar aktiv und tagtäglich. Also nicht vom Ergebnis her gedacht, sondern als Prozess. Die Liebe (als Ergebnis) stellt sich dann wie von selbst ein, keine Sorge. Wir brauchen auch nicht „Top-Verkäufer im Team“ (Ziel) SEIN zu wollen, wenn wir uns tagtäglich aufs VERKAUFEN konzentrieren und uns dabei ständig verbessern. Im Ergebnis WERDEN wir dann sowieso zu Top-Verkäufern.

Äußere Anreize gehen oft daneben

Nochmal zurück zu den Belohnungen und Bestrafungen: Häufig werde n Ziele ja auch zum Problem, wenn sie uns von anderen „übergestülpt“ wurden und mit Anreizen oder Aversionen verknüpft sind. Dann stecken wir nämlich in einer extrinsischen Motivationsfalle: Wir wissen zwar, was wir zu tun haben. Wir strengen uns aber nur an, wenn die Anreize oder Drohungen hoch genug sind. Dass solche Anreizsysteme bestenfalls kurzfristig wirken, demonstriert Felix Magath im Zweijahresrhythmus in der Fußballbundesliga: Hohe Prämien für Siege, Straftraining für Niederlagen. So steigt zunächst zwar die Leistung, dann aber brennt das System aus: Wollen wir wetten, dass Wolfsburg auch in dieser Saison wieder nix Großes reißt?

Woran liegt das? Vereinfacht gesagt, wird mit solchen Anreizen im Hirn nur unser Nucleus accumbens stimuliert. Der ist so etwas wie unser Lustknopf im Kopf. Er reagiert auf kurzfristige Genüsse wie Fressen, Saufen, Sex, Geld und so weiter mit einem kleinen Drogenschuss. Er verschafft uns so kurzfristige Kicks, aber nutzt sich schnell ab: Wie bei einem Suchtmechanismus ist bald immer mehr Belohnung (oder Bestrafung) nötig, damit wir funktionieren. Ständig fragen wir uns: „Was kriegen wir?“ (Oder: "Was droht uns?") Und wenn wir zu wenig kriegen, haben wir keine Lust mehr, zu handeln. Klar: So ganz ohne Ziele ...

Dabei brauchen wir streng genommen überhaupt keine äußeren Anreize, um etwas Anstrengendes mit Freude zu tun! Unser innerer Antrieb reicht dafür völlig aus. Und zwar dann, wenn die Tätigkeit selbst die eigentliche Belohnung ist. Wie bei Kindern. Die sagen auch nicht: „Och, ich spiele nur von 9 bis 17 Uhr, darüber hinaus brauche ich Incentives!“ Nein, Kinder spielen, weil spielen schön ist. (Sie brauchen auch keine drei Bier, um auf Geburtstagspartys in Stimmung zu kommen.) Auch Ziele brauchen sie keine. So wie eigentlich niemand Ziele braucht, der gerne kickt, verkauft, Bücher schreibt, Schüler unterrichtet, Fremdsprachen lernt, ein Hotel führt, gerne Auto fährt, Buchhaltung macht oder sich gesund ernährt. Es ist der Weg, um den es geht.

Ja, sogar dann, wenn uns der Weg selbst eigentlich keinen Spaß macht, handeln wir ohne Ziele leistungsstärker: Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar bittet Sie am Sonntag, ihm beim Möbelumräumen zu helfen. Er hätte nur heute Zeit und ihm sei jemand abgesprungen. Was würden Sie tun? Vermutlich mit anpacken. Aus „höheren“ Motiven heraus: aus Solidarität, Hilfsbereitschaft, Freundschaft. Dann stellen Sie sich vor, er wolle Sie noch extra motivieren und böte Ihnen 10 Euro pro Stunde an. Vermutlich fiele es Ihnen nun schwerer, zu helfen. Denn plötzlich ginge es „nur“ noch ums Geld, um schnöde finanzielle Zielchen.

Ziele sabotieren das Ergebnis

Oft macht zuviel Zielfokussierung sogar richtig Probleme. Zum Beispiel blockiert sie unsere Kreativität und Lösungskompetenz. Denn unser Denken läuft dabei in zu engen Bahnen ab. Haben wir unseren (Ziel-)Tunnelblick aufgesetzt, nehmen wir rechts und links nichts mehr wahr – und übersehen Lösungen. Sicher kennen Sie das Phänomen, unter Druck „auf dem Schlauch“ zu stehen. Etwa in einer Prüfung, während eines Flirts oder Streitgespräches. Irgendwie fällt uns da nicht ein, was uns einfallen sollte. Kaum ist die akute Situation aber vorbei, spuckt unser Hirn plötzlich die Lösung aus. Und wir wundern uns: „Warum bist du nicht früher drauf gekommen?“ Weil wir blockiert waren – von unseren unmittelbaren Zielen: Die Prüfung bestehen wollen, das schöne Mädel abschleppen, den Streit gewinnen. Wir waren mental so auf Schwarzweiß eingestellt, dass unserem Hirn zeitweise die Ideen (Grautöne) ausgingen. Dabei wäre der Weg ins Ziel ein ganz anderer gewesen: Locker bleiben. Und nicht nur „abschlussorientiert“ denken.

(Behalten Sie das unbedingt im Hinterkopf, wenn Sie das nächste Mal Prämien ausloben, Gesprächsleitfäden für Verkaufsgespräche kreieren oder Ihrem Kind für eine bestimmte Note eine Belohnung versprechen wollen! Sie können sich mit der ganzen Zielfokussierung echt die Ziele versauen ...)

Erst der Sinn, dann die Richtung – und dann erst das Ziel

Wir können also schon mal festhalten: Die Richtung, in die wir handeln, ist wichtiger ist als einzelne Ziele. Das dürfte mittlerweile klar sein. Aber: Wir müssen uns sogar noch weiter vom allgemeinen Zieldogma entfernen! Denn: Was weitaus wichtiger ist als die Richtung, ist der Sinn unseres Handelns! Der steht letztlich über allem. Nur er definiert die Richtung und damit die Ziele.

Ein Beispiel: Das Ziel einer Diät mag ein bestimmtes Gewicht sein und die Richtung, sich überwiegend gut zu ernähren und zu bewegen. Doch ist das auch der Sinn der Diät? Keineswegs: Der liegt nämlich darin, sich fit, gesund, schön oder jung zu fühlen! Und wie immer gilt: Passen Ziele nicht zum höheren Sinn, verbauen sie uns den Erfolg. Wer sich also durch eine allzu strikte und alltagsfremde Diät selbst kasteit, mag zwar für eine gewisse Zeit sein Zielgewicht erreichen, aber er hält sein Verhalten nicht dauerhaft aufrecht – und verfehlt sein Ziel letztlich dauerhaft. Denn er fühlt sich nicht fit, gesund, schön oder jung, sondern zwanghaft, genussgehemmt oder dauerschwächlich. Also: Nur aufs Ziel gestarrt, Sinn verpeilt, Diät gescheitert. Dumm gelaufen.

Bitte verstehen Sie mich richtig: Natürlich ist zielgerichtetes Handeln sinnvoll, um gewünsch te Ergebnisse zu erzielen. Aber es muss die Hierarchie stimmen: Erst der Sinn, dann die Richtung und dann erst das Ziel.

Ein Beispiel aus der Politik: Wir wissen alle, dass in Deutschland zu wenige Kinder geboren werden. Einer der Gründe sind Schwächen bei den Betreuungsmöglichkeiten. Vor allem wenn die Eltern berufstätig sind oder sein wollen. Also definiert man das Ziel, bis 2013 für alle einen Krippenplatz zur Verfügung stellen zu wollen. Soweit löblich, Ziel und Richtung scheinen zu stimmen. Wo aber liegen die Probleme, selbst wenn berufstätige Eltern für ihre Kinder einen Krippenplatz haben? Dass die verdammten Öffnungszeiten ein Witz sind! Macht die Krippe um 16 Uhr zu, kann Mama nicht um 17 Uhr an einer Besprechung teilnehmen. Also: Kinder machen? Irgendwann mal, jetzt geht’s noch nicht. Sinn verfehlt.

(Vor kurzem erzählte mir ein Bekannter, er habe vorgehabt, eine eigene Krippenkette f ür solvente berufstätige Familien aufzubauen. Mit flexiblen Öffnungszeiten für höchste Ansprüche. Als Geschäftsidee, weil der Markt ganz offensichtlich da ist. Auf dem zuständigen Amt hingegen konnte man den „Bedarf nicht feststellen“, der allgemeine Betreuungsschlüssel würde stimmen. Außerdem wurden ihm so viele Auflagen und Vorschriften um die Ohren gehauen, dass er das Projekt ganz schnell beendete, bevor es richtig losging. Es lebe die Bürokratie! Tja, Fokussierung auf Ziele statt auf Sinn und Richtung ...)

Aber das kennen wir ja alle. Schlimmer noch: Wir haben uns längst daran gewöhnt. Die einzelnen Rädchen im System starren auf ihre jeweiligen Ziele. Aber sie sind blind für das große Ganze. Sinn- und Richtungsfragen stellen viel zu Wenige, obwohl es bitter nötig ist: Welchen Sinn ergibt es, immer mehr für die Behandlung Kranker auszugeben, anstatt in Prävention zu investieren? Warum verweigern wir engagierten jungen Menschen Studienplätze, nur weil sie zu Schulzeiten bestimmte Noten (Ziele) nicht erreicht haben und klagen andererseits über Akademikermangel? Warum lernen wir in der Schule zwar Integralrechnung und Kurvendiskussionen, müssen uns aber vom Bankberater erklären lassen, wie Darlehen funktionieren und auf Seminaren nachholen, was ein Deckungsbeitrag ist? Warum bringen wir Menschen bei, sich zu bewerben, anstatt Geschäftsideen zu finden? Warum starren wir blind auf Ziele, nur weil die mal irgendjemand definiert hat? Statt brav über alle gegebenen Hürden zu hüpfen, sollten wir routinemäßig Sinn und Richtung überprüfen.

Also: Wir sollten nicht immer alles richtig machen wollen, sondern öfter das Richtige tun. Wer Sinn und Richtung ignoriert, braucht sich nicht zu wundern, wenn es mit den Zielen nicht klappt. Sparziele für die USA, Griechenland, Bremen? Schön und gut. Aber kann auch jeder im System (in den Parlamenten und Behörden) ökonomisch denken und entscheiden? Falls nicht (und davon ist auszugehen), wird es schwierig: Es wird immer wieder an Sinn- und Richtungsfrage scheitern. Und wenn ein Vertrieb seine vorgegebenen Ziele nicht erreicht, kann das daran liegen, dass der einzelne seine eigenen längst erreicht hat: relative Sicherheit in der Festanstellung und ein monatliches Gehalt. Entspricht das aber dem Sinn und der gewünschten Richtug des Jobs? Natürlich nicht. Also: Trotz aller Ziele am Ziel vorbei.

Die Lösung: Handlungs- und Seinziele statt Ergebnisziele!

Was also tun? Die bösen Ziele gleich allesamt in die Tonne kloppen? Die Motivationslehre neu schreiben? Den Vertriebschef der Inkompetenz bezichtigen?

Ich glaube, es geht einfacher: Verwenden wir statt der Ergebnisziele Handlungsziele!

Fragen wir uns also nicht mehr: „Was musst du erreichen?“

Fragen wir uns stattdessen: „Was musst du konkret tun, um erfolgreich zu sein?“

Wir können sogar noch einen Schritt weiter gehen und uns fragen: "Wie musst du sein, um tun zu können, was dich zum Ergebnis führt?"

Denn wenn uns klar ist, was wir tun und wie wir sein müssen, werden wir viel mehr gewünschte Ergebnisse erreichen: Wir können uns darüber freuen, bei Stress keine Zigarette mehr zu brauchen. Wir können unserem Kunden zuhören, damit wir ihn verstehen. Wir können tagtäglich an unserem Manuskript schreiben, weil wir jemand sind, der das Schreiben liebt und übt. GENAU DAS sind die Ziele, um die es geht! GENAU DAS sind die Wahrnehmungen, Handlungsweisen und Reaktionen, die uns dahin bringen, wohin wir wollen! Und nebenbei fühlen wir uns als echte Nichtraucher, verkaufen besser und schreiben endlich unser Buch. Weil das Ziel das Schreiben des Buches ist, nicht der Abgabetermin. Weil der Sinn des Nichtrauchens nicht im Verzicht liegt, sondern im genussvollen leben. Weil der Prozess einer Kommunikation immer wieder neu und spannend ist. Weil es eben immer wieder um den Weg geht. Um jeden einzelnen Moment unterwegs.


Na? An welchen Zielen haben Sie sich zuletzt die Zähne ausgebissen? Dann machen Sie mal folgendes:

Schreiben Sie Ihre bisherigen Problemziele mal untereinander auf ein Blatt Papier.

Und dann „übersetzen“ sie sie in Handlungen: Was müssen Sie konkret und dauerhaft TUN, um Ihre Ziele zu erreichen?

Anders formuliert: Was für ein Mensch müssen Sie dafür werden? Also: Wie ist einer drauf, der keine Zigaretten mehr braucht, anderen zuhört, gerne Texte schreibt, erfolgreich Geschäftsideen umsetzt, regelmäßig Sport macht und so weiter?

Ich bin mir sicher: Wenn Sie ein Mensch sind, der seine Ziele gerne erreicht, haben Sie jetzt erst mal eine Menge zu tun ... ;-)

In diesem Sinne: Einen erfolgreichen August!

Herzliche Schweinehundegrüße
Ihr
Stefan Frädrich


Kontakt



Dr. Stefan Frädrich
Motivation, die wirkt.
Maastrichter Str. 17
D-50762 Köln

E-Mail: stefanfraedrich@aol.com
Internet: http://www.stefan-fraedrich.de/

Frauen in Europa

Frauen in Europa
Frauen in Europa by Lilli Cremer-Altgeld. „Frauen in Europa“. Seien Sie dabei! Mit Ihren Gedichten. Mit Ihren Ideen. Mit Ihren Visionen. Mit Ihren Werken. Mit Ihrer Homepage. Bitte schreiben Sie eine Mail an Lilli Cremer-Altgeld frauenineuropa@t-online.de Bitte klicken Sie auf das Bild: So kommen Sie direkt zum Blog „FRAUEN IN EUROPA“.

Was die anderen Hochbegabten anders machen – ein Beispiel aus der Wirtschaft für die Politik


Foto: Ralf Voigt


Man erkennt sie.

Es sind die kleinen Einsteins, die Picassos und die Mozarts. Sie lesen schon mit sechs Jahren „The New York Times“, korrespondieren mit fünf Jahren in Mandarin und spielen mit vier Jahren die Spatzenmesse in C-Dur. Später studieren sie dann bereits mit 14 an einer Uni und werden jüngster Professor oder jüngste Professorin.

Man kennt sie.

Dann gibt es noch die anderen.

Ihre Begabung ist nicht so offensichtlich. Oder: offensichtlich nur für Eingeweihte. Für Kennerinnen und Kenner. Wahrscheinlich stehen sie nicht in einem Labor. Ob sie mit dem Pinsel umgehen können? Seien Sie tapfer: Wohl eher nicht so. Ob sie eine Stradivari zu schätzen wissen? Hm.

Und doch haben sie ihre Begabung. Erkennbar wie gesagt fast nur für Eingeweihte.

Ein Beispiel: Ich war Mitglied in einem Verband, der das Wort „Wirtschaft“ in seinem Namen trägt. Es ging um ein Thema, das alle Menschen bewegt. Wirklich alle. Wirklich jeden. Es ging um Politik. Und um den Anlauf zu einem neuen Gesetz. Man diskutierte. Und fragte sich, wie man denn überzeugend argumentieren könnte.

Ich erwähnte den Gedanken einer Befragung. Sie kennen das: In jeder grösseren Stadt stehen diese Interviewer auf der grossen Einkaufsstrasse und wollen wissen, welche Zahnpasta, welches Waschmittel, welche Automarke Sie bevorzugen. Strasseninterviews nennen wir das. Wir, das sind meine Kolleg*innen aus der Marktforschung und ich. Ich hatte damals ein Institut für Markt- und Kommunikationsforschung. Unsere Klienten aus der Politik und Wirtschaft waren bekannt und angesehen und wir waren stolz darauf, für sie forschen zu dürfen.

In meinem Verband war das bekannt.

Ja. Sagte man: Eine Befragung auf der Strasse ist ein überzeugendes Argument. Wir – wer auch immer „wir“ sein sollte – wir stellen uns auf die Strasse und befragen die Menschen. Und dann geben wir – und das war der Sinn der Sache – das Ergebnis an den OB der Stadt. Einer von meinen Kollegen im Verband meinte dann: Ob wir wohl 50 Menschen dazu bewegen können, mit uns zu reden?

Wie, sagte ich: 50 Menschen?

Ja. Sagten die anderen. 50 Menschen wäre eine tolle Sache.

Klar sind 50 Menschen eine tolle Sache. Aber: Wie wollen wir einen OB mit den Stimmen von 50 Menschen motivieren, ein neues Gesetz in Gang zu bringen? Nach einer halben Stunde hatte man sich auf 100 Menschen geeinigt. Mit dem Zusatz: Ob wir das wohl schaffen werden?

Warum so zaghaft?

Die Jungs und Mädels, die hier zusammen sassen, waren die Menschen, die täglich über Millionen entschieden. Ihre Denkweisen waren nicht 100 oder 1.000. Es waren 1.000.000 und mehr!

Mir war klar, dass ich meine lieben Kolleginnen und Kollegen jetzt schockieren musste. Nicht weil ich Schocks mag – aber ich musste ihnen schon sagen, wie so etwas in der Realität funktioniert. Dass man an den verantwortlichen Stellen – sorry – 100 Menschen als Beweis nicht gelten lassen wird. Man wird schmunzeln und zur Tagesordnung übergehen.

Noch bevor ich den Gedanken: „Wie sag‘ ich es das denn jetzt?“ zu einem Satz modellieren konnte, war es raus:

1.000 INTERVIEWS!
1.000 Interviews?

Das Entsetzen war gross. Nur unser Präsident war begeistert. Und dann ging das los, was zumeist los geht, wenn ein Hochbegabter – eine Hochbegabte – eine Idee und einen Weg vor Augen hat: GEHT NICHT! FUNKTIONIERT NICHT! SCHAFFEN WIR NICHT! WIR SIND DOCH NICHT VERRÜCKT! WER SOLL DAS DENN ALLES ZAHLEN?

Ich hörte mir das eine Stunde an, während ich das Konzept schrieb, die Umsetzung des Konzepts plante und einen Entwurf für den Fragebogen entwarf. Unser Präsident hatte mich aus den Augenwinkeln beobachtet und rief mich auf – nach vorne zu kommen und die Einzelheiten zu präsentieren. Gesagt. Getan.
Wir fanden über 50 Mitglieder aus dem Wirtschafts-Verband, die mitmachten. Manager*innen, die ich mit meinem Team für diesen Einsatz schulte. Es waren wohl die Interviewer*innen mit den höchsten Stundenlöhnen, die hier und heute ehrenamtlich auf die Strasse gingen und sehr mutig die Menschen nach ihrer Meinung befragten.

Um Mitternacht hatten wir 1.037 Interviews geschafft. Alle von meinen Forscherkollegen und mir kontrolliert. Alle perfekt. Es war ein harter Job – aber selten habe ich ein Team von fast 100 „Mitarbeiter*innen“ so begeistert arbeiten gesehen.

Am nächsten Morgen wurde noch einmal kontrolliert. Und dann gingen die Fragebögen ins Rechenzentrum zur Uni. Ich schrieb dazu einen Bericht für die Präsentation. Mein Team zeigte einen bewundernswerten Einsatz. Und so konnte ich meiner Assistentin auch nicht die Bitte abschlagen, die Ergebnisse beim OB präsentieren zu dürfen.

Der OB schien sehr zufrieden. Und so wanderten unsere Ergebnisse weiter „nach oben“. Und so wurde aus unserer Idee der Beweis, dass die Menschen diese Verbesserung ihres Alltags wirklich wollten.

Schliesslich wurde aus dem Beweis ein Gesetz in Deutschland, das jedem Menschen den Alltag etwas besser macht. Zur Freude der Menschen.
Nein, so faszinierend wie ein Picasso ist dieses Gesetz nicht.

Aber es erleichtert seitdem allen Menschen ihr Leben. Und das Tag für Tag in Deutschland.

Wenn Sie Unternehmer*in sind: Gründen Sie einen Think Tank mit Ihren Hochbegabten und allen, die mutig sind und gross denken und handeln können. Dann sind Sie nicht nur Ihre Probleme los. Sie haben auch die Chance, die Welt ein bisschen besser machen zu können.

Was sagte John F. Kennedy in seiner Antrittsrede am 20. Januar 1961 in Washington, D.C.:

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt (…) fragt, was wir gemeinsam tun können für die Freiheit des Menschen.“ [1]

Lilli Cremer-Altgeld
Mobil 0049 1575 5167 001





Meine persönliche Einführung in die Hochbegabung

Wenn Sie sich die Frage stellen: „Wie finde ich heraus, ob ich hochbegabt bin?“ – dann werden Sie hier Antworten finden. Ich habe die Informationen davon abhängig gemacht, wie gesichert Sie wissen wollen, ob Sie hochbegabt sind. Deshalb meine Frage an Sie: „Wie GESICHERT wollen Sie wissen, ob Sie hochbegabt sind?“

Meine Antworten lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Sicherheitsstufe 1: Sicherheit im Hinblick auf das Wissen „Ich bin hochbegabt“ – hier können Sie mal schnuppern, wie Hochbegabte so ticken.

Sicherheitsstufe 2: Sicherheit im Hinblick auf das Wissen „Ich bin hochbegabt“ – hier bekommen Sie Tipps, was Sie tun können, um herauszufinden, ob Sie tendenziell hochbegabt sind.

Sicherheitsstufe 3: Sicherheit im Hinblick auf das Wissen „Ich bin hochbegabt“ – Adressen. Hier können Sie sich zum IQ-Test anmelden. Das Ergebnis des IQ-Test sagt Ihnen, wie hoch Ihr IQ ist. Ist er über 130 Punkte, sind Sie hochbegabt. Über 145 Punkte sind Sie höchstbegabt.

Aber was ist überhaupt Hochbegabung?

Die Antwort ist einfach. Treffend hat sie einmal der Psychologe Dr. Jürgen vom Scheidt so beantwortet: „Es ist das intellektuelle Potenzial von jemandem, der in einem der gängigen und anerkannten Intelligenztest einen IQ-Wert von 130 Punkten und mehr erzielt. Dies betrifft, streng genommen, 2,27 Prozent der Bevölkerung.“ http://www.hyperwriting.de/loader.php?pid=276 Stand: 20.09.2015

Und was ist HÖCHSTBEGABUNG?

Ganz einfach. Dr. Sylvia Zinser schreibt: „Ist der IQ über 145 so spricht man von Höchstbegabung.“ http://zinser.no-ip.info/~szinser/gifted/faqhg.htmlx Stand: 19.09.2015

Allen Hochbegabten und Höchstbegabten empfehle ich das informative, spannende und vergnügliche „Sylvia Zinser's Sammelsurium“ http://zinser.no-ip.info/~szinser/ Stand: 19.09.2015 Hier erfahren Sie nicht nur etwas über den IQ, sondern auch über „Brot, Schwaebische Traeubleskuchen sowie über diverse Weihnachtsplätzchen“ http://zinser.no-ip.info/~szinser/backen.htmlx Stand: 19.09.2015

Sicherheitsstufe 1: Sicherheit im Hinblick auf das Wissen „Ich bin hochbegabt“

Man sagt oft von Hochbegabten: „Die haben eine 1 (Bestnote) in Mathe – können aber ihre Schuhe nicht richtig zubinden“. Soll heissen: das Denken funktioniert (in bestimmten Bereichen) ausgezeichnet – aber im Alltäglichen kommen sie mit bestimmten Situationen nicht gut zurecht. Nach meinen Erfahrungen ist diese Aussage für einige Hochbegabte wirklich sehr zutreffend – für andere weniger bis gar nicht.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Bei meinem Mathelehrer hatte ich so gut wie immer eine 1. Allerdings hatte ich auch eine Mathelehrerin. Sie war eher der Typ „Geschichtenerzählerin“. Sie sprach gerne über ihre Lieblingsrezepte, ihre Backkunst und ihren Hund. Ich war so damit beschäftigt, herauszufinden, was das mit Arithmetik zu tun hatte, dass ich ihr, wenn es denn mal was zu rechnen gab, kaum noch folgen konnte.

Meine Noten in Mathe lagen bei ihr im Mittelfeld. Und ich war richtig dankbar als der in meinen Augen „richtige“ Lehrer kam. Der mir Mathe so erklärte, dass ich es verstanden habe. Ich machte Überstunden in Mathe und liess mir extra Hausaufgaben geben. Nein, ich war keine Streberin. Ich hatte einfach Spass an Problemlösungen. Aber wenn ich meine Strickjacke zuknöpfen sollte – da gab es Stress für mich. Jedenfalls dieser Lehrer schickte mich zum Schulpsychologen, der mich positiv auf Hochbegabung testete. Da er sagte: „Du darfst mit niemandem darüber reden, dass Du diesen IQ von … hast.“ – dachte ich: vielleicht ist es eine Krankheit oder sonst wie ansteckend. Ich habe nie darüber gesprochen. Erst vor gut zehn Jahren habe ich mich in meiner Familie geoutet.

Meine Kollegin Alexandra in unserem Markt- und Sozialforschungs-Institut war da ähnlich unterschiedlich in ihrer Mathe-Begabung. Obwohl sie ein echtes Mathe-Genie ist, gab es auch für sie Grauzonen. Normalerweise hörte sie von einer Aufgabe oder schaute auf das Papier. Und schwupp – schon hatte sie die Lösung. Manchmal trat sie einen Wettstreit mit unserem Computer an. Nicht immer war unser PC der Gewinner. Doch dann gab es für sie echte Herausforderungen: Wenn sie ohne Hilfsmittel Prozent rechnen sollte, versagte sie fast jedes Mal. Nicht mal 10 Prozent von 100 konnte sie richtig errechnen. Allein bei dem Wort „Prozentrechnen“ driftete sie immer ab. Im Laufe der Zeit wurde es allerdings besser.

Ich will damit sagen: Nicht alle Hochbegabte sind Mathe-Genies. Nicht alle Mathe-Genies sind fehlerlos. Tröstlich ist, was Albert Einstein einmal über Mathe gesagt hat: „Mach' dir keine Sorgen wegen deiner Schwierigkeiten mit der Mathematik. Ich kann dir versichern, dass meine noch größer sind.“

Mit anderen Worten: Nicht jeder Hochbegabte glänzt in Mathe. Eine Klientin von mir war die Vorgesetzte der ehemaligen Lehrerin eines Fußballnationalspielers (Weltmeister!). Er hatte wenig Interesse an Zahlen und sagte bereits in jungen Jahren zu der Lehrerin: „Warum soll ich Rechnen lernen? Ich werde mal ein berühmter Fußballspieler. Und dann kann ich mir so viele Rechenkünstler leisten wie will.“ Die Lehrerin staunte. Doch der Junge hatte Recht. Er ist hochbegabt UND hochsensitiv.

Hochbegabte können sehr gut oder gut rechnen – oder auch gar nicht. Was sind nun die die typischen Eigenschaften von Hochbegabten?

Gehen wir noch einen Schritt zurück. Genauso wie nicht alle Kölner lustig sind, nicht alle Münchner Lederhosen tragen und nicht alle Hamburger einen Segelschein haben – so sind auch nicht alle überdurchschnittlich intelligenten Menschen so oder so.

Nehmen wir einmal eine Einteilung der Hochbegabten vor, die Jürgen vom Scheidt heraus gearbeitet hat. Er unterteilt fünf (drei plus zwei) Gruppen. Selbstredend gibt es noch andere Kategorien – dazu komme ich noch.

Scheidt zufolge gibt es – vereinfacht ausgedrückt – bei den Hochbegabten, abhängig von dem Kriterium „Erfolg in der Schule, im Beruf“ folgende Trias:

O Ein Drittel, die ihre „Begabung erfolgreich verwirklicht“ haben. Sie sind Topmanager/innen, Spitzensportler/innen, Unternehmer/innen, Künstler/innen, Wissenschaftler/innen usw. Sie wurden z.B. von der „Studienstiftung des Deutschen Volkes“ oder anderen Institutionen erkannt und gefördert.

O Ein Drittel sind sogenannte „Latente“: Sie spüren, ahnen oder wissen um ihre Begabung, kommen aber nicht so einfach aus dem Quark. Die Psychologin und Expertin für Hochbegabung, Andrea Brackmann, schreibt in ihrem zweiten Buch, dass „Hochbegabung Mut erfordere“ http://www.klett-cotta.de/buch/Klett-Cotta_Leben!/Ganz_normal_hochbegabt/13265 Stand: 19.09.2015. Bei dieser Gruppe verstehen wir, warum das so ist.

O Ein Drittel sind nach Scheidt die „Underachiever“ („Minderleister“). Sie könnten schon – wollen aber (noch?) nicht erfolgreich sein. Speziell zu Minderleister/innen in der Schule noch einmal Sylvia Zinser: Ihr Geheimtipp J: MOTIVIEREN! http://zinser.no-ip.info/~szinser/gifted/faqhg.htmlx Stand: 19.09.2015

So, das sind unsere drei Gruppen – zwei kleine Gruppen fehlen noch:

O Es sind die „Entgleisten“: sie sind erfolgreich – aber auf kriminelle oder soziopathische Weise.

O Dies sind die Höchstbegabten wie etwa Einstein und Freud.

Alle Infos zu dieser Einteilung in der Veröffentlichung von Jürgen vom Scheidt: http://www.hyperwriting.de/loader.php?pid=276 Stand: 19.09.2015

Wer bis hierher tapfer durchgehalten hat – wird jetzt belohnt. Jeder Mensch, der denkt: Analyse? Mathe? Logik? Das sind jetzt nicht so meine Stärken. Ich bin eher der Musiker, die Malerin, der Tänzer, die Fotografin, der Praktiker. Gut so. Es gibt insgesamt sieben Felder der Hochbegabung: mein Bruder Helmut glänzt z.B. durch „Praktische Intelligenz“: Er erkennt sofort im realen Leben wie man es richtig zumindest aber besser machen kann. Mir bleibt diese Art zu denken verborgen. Zumindest müsste ich viele Bücher lesen, um diese Dinge verstehen zu können. Mir fällt es schon schwer genug, meine Jacke richtig zuzuknöpfen.

Prof. Werner Stangl zitiert Prof. Kurt Heller auf seinen Seiten zu den Themen „Intelligenz und Hochbegabung“ wie folgt:

„Nach Heller (2000) gibt es folgende Begabungsfaktoren:

O Intellektuelle Fähigkeiten (sprachliche, mathematische, technisch-konstruktive, abstrakte, begrifflich-logische, etc. Fähigkeiten)

O Sozial-emotionale Fähigkeiten

O Musisch-künstlerische Fähigkeiten

O Musikalische Fähigkeiten

O Kreativität (sprachliche, mathematische, technische, gestalterische, etc. Kreativität)

O Psychomotorische Fähigkeiten (Sport, Tanz, etc.)

O Praktische Intelligenz“

http://www.stangl-taller.at/TESTEXPERIMENT/testintelligenzhochbegabt.html Stand: 19.09.2015

Wir sehen: Hochbegabung ist spannend. Und es wird noch spannender.

Nehmen wir noch eine weitere Differenzierung vor: Hochbegabte sind oft auch hochsensibel und/oder hochsensitiv. Ihre Sinne sind stärker ausgeprägt. Zum einen (hochsensibel) sind ihre normalen Sinne (hören, riechen, schmecken, fühlen, sehen) intensiver (Künstler/innen, Star-Köch/innen, Parfümeur/innen – einige haben auch ein begnadetes „Fingerspitzengefühl“ wie etwa Handerker/innen und Chirurg/innen u.a.m.). Und/oder andererseits ist ihre Wahrnehmung (hochsensitiv) tiefer: Diese Hochbegabten haben den sechsten (hellhörig), siebten (hellfühlig) und achten (hellsichtig) Sinn wie etwa Goethe, Einstein und Leonardo da Vinci. Wie sagte Albert Einstein?: „Was wirklich zählt, ist Intuition.“

Bei einer solchen Differenzierung: Wo gibt es da noch Gemeinsamkeiten?

Ich fange mal mit den Tendenzen an: Diejenigen, die in der ‚Flüchtlingszeit im Sommer 2015‘ kreativ, beherzt und schnell helfen – können hochbegabt sein. Denn diese Merkmale findet man oft unter den hohen IQ’lern. Der eine organisiert geschickt, die andere übersetzt, der nächste weiss, wer wo wie helfen kann. Schnelligkeit ist für Hochbegabte so natürlich wie das Atmen. Klar, dass nicht jede/r in allen Bereichen gleich schnell ist. Wenn Sie wüssten, wie lange ich brauche, um meine Jacke zuzuknöpfen …

Doch weiter: Gerechtigkeit für jedermann ist stark vorhanden bei den Begabten ebenso so wie vernetztes Denken und Handeln. Nach Andrea Brackmann gehört das „Mehr von allem“ oft zum Repertoire. Wie etwa das „Erfassen kompletter Zusammenhänge“, „Auffinden vielfältiger Lösungswege“ sowie „hohes Einfühlungsvermögen“. Wie gut, dass Hochbegabte oft nur wenig Schlaf brauchen (4 bis 6 Stunden).

Selbstredend gibt es nicht nur diese sonnigen Seiten der hochtalentierten Menschen. Ihre Schattenseiten sind nicht nur für die Beteiligten selbst unangenehm: Oftmals übersteigerte Konzentration bei den SPEZIALISTEN auf ein Spezialthema (Musik oder Sport oder Politik oder Finanzen oder Sprachen oder oder oder). Bei den Generalisten ist es etwas anders: Hier überwiegt die Vielseitigkeit, die sich in mehreren Berufen und Hobbies zeigt. Bei beiden wird die Familie, werden Freund/innen und Kolleg/innen schon mal etwas vernachlässigt. Denn Hochbegabte sind oft Perfektionist/innen. Und es kann mal etwas länger dauern bis sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind.

Routine ist ihnen oft ein Gräuel. Manche finden kreativ alternative Wege um dieser Routine immer wieder auszuweichen. Andere plagen Zweifel und Gewissensbisse. Geduld ist ebenfalls keine Stärke der Hochbegabten. Auch nicht begabt sind diese Menschen, wenn es um „einfache Aufgaben“ geht. Die Hochtalentierten sind zumeist empfindlich. Empfindlich gegenüber Lärm, Licht und manche auch gegenüber Berührungen.

So ist es zu verstehen, dass Hochbegabte an bestimmten „Allergien“ leiden, die Andrea Brackmann in ihrem Buch so schlüssig schreibt. Es sind die „hässlichen Worte“ für Hochbegabte wie etwa „Betriebsausflug“, „Stammtisch“, „Schützenfest“, „Höflichkeitsfloskeln“, „Grossraumbüro“. http://www.klett-cotta.de/buch/Klett-Cotta_Leben!/Ganz_normal_hochbegabt/13265 Stand: 19.09.2015

Hingegen lieben Hochbegabte oft „Querdenker/innen“, „Nobelpreisträger/innen“, „Verarbeitungsgeschwindigkeit“, „Freiheit“, „Endlos-Fragen“, „Monologe“ sowie „Spezielle Themen wie etwa die frühkindliche Entwicklungsphase des Kaiserschnurrbarttamarins, die Pflege der Araukarie oder den „Compte rendu au Roi“ des Finanzminister Jacques Neckers in der Zeit der Französischen Revolution.

Für Hochbegabte ist das alles „normal“ – während das „Normale“ schon sehr schwierig sein kann. Viele habe da ein Selbstverständnis wie Albert Einstein: "Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig."

Wenn Sie das alles gelesen haben, sind Sie an Hochbegabung interessiert. Die anderen haben eh längst das Weite gesucht. Vielleicht wollen Sie genauer wissen, ob Sie hb sind – „hb“ ist das Kürzel bei den „HB“ (Hochbegabten) für „hochbegabt“. Und deshalb gehen wir jetzt auf die nächste Stufe über.

Sicherheitsstufe 2: Sicherheit im Hinblick auf das Wissen „Ich bin hochbegabt“

Ich habe hier IQ-Informationen zusammen gestellt, die Ihnen eine Tendenz Ihrer Begabung aufzeigen können.

O Den ersten IQ-Test habe ich 2005 in der Veröffentlichung von Jürgen vom Scheidt gefunden http://www.hyperwriting.de/loader.php?pid=276 Stand: 19.09.2015. Obwohl ich mit einiger Skepsis an diese Fragen heranging – mein Test beim Schulpsychologen hat damals mehr als eine Stunde gedauert, wie soll man in wenigen Minuten ein ähnliches Ergebnis erzielen können? – war die Antwort jedoch fast exakt dieselbe, die ich Jahre zuvor vom Psychologen in meiner Schule erhalten habe. Chapeau! Für den Autor.

O Auch wenn mir die Headline sehr plakativ erscheint – diese Information verdient ebenfalls Ihr Interesse: „IQ-Test: Gehören Sie zur Grips-Elite?“ http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/iq-test-gehoeren-sie-zur-grips-elite-a-505427.html Stand: 19.09.2015

O Ein weiterer Test, der Ihnen tendenziell Informationen über Ihre Begabung geben wird, ist von der „Süddeutsche Zeitung“: „Der kostenlose IQ-Test online mit Sofortergebnis http://iqtest.sueddeutsche.de/ Stand: 19.09.2015

O “MENSA” ist das grösste Netzwerk für Hochbegabte. Der Mensa Online-Test ist jedoch eher ein „Spiel“ als ein zuverlässiges Instrument der Begabungsanalyse. Wenn Sie Lust haben: Spielen Sie mal. Mensa weist ausdrücklich darauf hin: „Sie sollten die Ergebnisse dementsprechend nicht allzu ernst nehmen.“ https://www.mensa.de/online-iq-test-raetsel/mensa-online-test/ Stand: 20.09.2015

O Und hier ist die englische Variante von Mensa International: „Mensa Workout“ https://www.mensa.org/workout/quiz/1 Stand: 20.09.2015

Sicherheitsstufe 3: Sicherheit im Hinblick auf das Wissen „Ich bin hochbegabt“

Wenn Sie jetzt bereit sind und der Stunde der Wahrheit – dem wirklich und wahrhaftigen IQ-Test – ins Auge blicken wollen… Dann melden Sie sich an – zum anerkannten IQ-Test.

Meine Empfehlungen:

O Mensa. Der Test dauert 90 Minuten, kostet 49 Euro und wird in 80 Städten in Deutschland durchgeführt. Getestet werden Menschen ab 14 Jahre. https://www.mensa.de/intelligenztest Stand: 20.09.2015

O Bei einer Psychologin – einem Psychologen – aus dem Expertenkreis Hochbegabung/Potentiale der Sektion "Freiberufliche Psychologen" im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) e.V. den IQ-Test machen http://www.die-hochbegabung.de/german/index.html Stand: 20.09.2015

O Sie fragen im Familienkreis, bei Freund/innen oder in der Schule/Universität nach einer Empfehlung für den IQ-Test.

Ich drücke schon mal die Daumen!

Für das Campus-Radio Bonn interviewte ich einmal die höchstbegabte „First“ Lady – Gründungsmitglied – von Mensa Deutschland, Dr. Ida Fleiß. Dabei lernte ich eine kluge, warmherzige und höchst kreative Dame kennen, der es „zu simpel“ war, ihren „Doktor“ in Europa zu machen. Kurz entschlossen reiste sie nach Asien, lernte die Sprache und schaffte auf Anhieb ihre Promotion. Sie konnte schon immer weit und um die Ecke denken.

Als ich sie jedoch fragte: Haben wir schon für jede Intelligenz ein angemessenes Messverfahren – will sagen: Können wir schon jede Begabung testen – sagte sie traurig: Nein. Daran müssen wir noch arbeiten.

Ich möchte diese Erkenntnis all denen mit auf den Weg geben, die sich zwar für hochbegabt halten, aber in einem der IQ-Tests nicht die Schallgrenze von 130 durchbrechen konnten.

Allen Menschen, die Spass an Mathe haben – ja, die speziell eine Vorliebe für das Kopfrechnen hegen, empfehle ich die Seite eines Freundes von Ida Fleiss: Dr. Dr. Gert Mittring http://www.gertmittring.de Gert Mittring ist der amtierende Weltmeister im Kopfrechnen.

© Lilli Cremer-Altgeld, 2015